Hamburger Abendblatt • 17.7.2006

Konzert - Wenn Marimbas erzählen . . .

Andreas Schwarz und Matthias Krohn begeisterten das Bramstedter Publikum mit ihren ungewöhnlichen Instrumenten.

Von Heike Linde-Lembke

Bad Bramstedt -

"Für Urwald-Instrumente wie die Balaphone gibt es gar keine Literatur, für Konzert-Marimbas nur wenig", sagt Andreas Schwarz. Also komponierten er und sein Partner Matthias Krohn die Musik für ihre Instrumente eben selbst. Als "German Marimba Duo" gestalteten sie das erste von fünf Sommerkonzerten und wurden vom Publikum in der gut besetzten Kirche gefeiert.

Mit Modest Mussorgskis Bilder einer Ausstellung bewies das technisch wie künstlerisch hochkarätige Duo die faszinierende Vielseitigkeit der Marimbas, mit Klängen Bilder malen zu können. Sie stellen den Gnomus zickig bis lächerlich dar, lassen den Troubadour vor dem Schloß mit weichen Schlägeln eine melancholische Weise singen, die Kinder in Tuilerien übermütig toben und kreischen und rumpeln schwer mit dem Ochsenkarren durch die Kirche. Eine erhabene Musiksprache finden sie beim Schlußbild, dem Tor von Kiew, in dem sie sogar symphonische Klänge und gregorianischen Gesang inszenieren.

In Schwarz' Komposition "Kaleidoscope-Eyes" für zwei Balaphone fasziniert der hohe, helle Klang. Die Komposition zeichnet sich durch gleichmäßige Steigerung der Lautstärke und des Rhythmus aus und erscheint trotzdem wie ein Erzählung.

Ohnehin setzt das Duo stark auf die erzählerischen Fähigkeiten der Marimbas. So legt Schwarz in Krohns Komposition "orbis magicus" einen volltönenden Klangteppich, auf dem Krohn eine feine Melodie spinnt. Die Töne folgen einander fast magisch, um sich schlußendlich zu verselbständigen.

Gar philosophisch wird es in Krohns "Three Matters Of Importance" - drei eigenständige Sätze, die miteinander nichts Geringeres als das menschliche Dasein erzählen. Schwarz' "Popsong For Two Marimbas" ist dagegen eine harte Zäsur und könnte das begeistert applaudierende Publikum fröhlich in den Sommerabend entlassen. Doch die Leute wollen mehr Marimba, und die Musiker zaubern eine wunderbare Weise auf den Balaphonen, die von afrikanischen Tanzrhythmen bis zum Jazz reicht und sogar die Kalebassen selbst als Schlagkörper einbezieht. Die zweite Zugabe geht in die Beine: Mit dem Evergreen "Tico Tico" zeigen Schwarz und Krohn noch einmal Rhythmus und Tempo, Charme und unbändige Spielfreude.

erschienen am 17. Juli 2006